Die Wespe

 

Die kleine Wespe fliegt heran

zu Ruth am Kaffeetisch mit ihrem Mann.

 

Des Sohnes Freundin wedelt, schreit.

Die Wespe setzt sich auf ihr Kleid.

 

Ruth keift: „Stell dich nicht an!“

Verdrehte Augen zeigt ihr Mann.

 

„Ein analaktischer Schock“, haucht die Freundin noch,

die Atmung schnell und dann jedoch

sehr langsam und sie kippt vom Stuhl.

 

„Anaphylaktisch“, korrigiert Ruths Mann.

Der Sohn will sehen, ob er helfen kann.

 

Ruth keift: „Die kommt schon wieder zu sich,

sonst find ich eine Neue für dich!“

 

Derweil die Wespe fliegt und summt

zum Mann von Ruth der ängstlich brummt:

 

„Ach, mir macht so ne Wespe gar nichts aus.“

Die Wespe ins Gesicht ihm braust.

 

Panisch pustet er sie fort

und bringt sie so an einen andren Ort.

 

Der Ort heißt Marmeladenbrot

ein Biss davon, der Sohn ist tot.

 

Die Ruth starrt auf den Püsterich,

so dass ihr Mann nach hinten wich,

wobei er einer Fliege glich.

 

Der Arm der Ruth saust nun nach vorn

gleich der Zunge vom Chameleorn.

 

Das Messer in der Hand ist rot.

Der Gatte vor ihr mausetot.

 

Der Sohn liegt dort, ist blau und blauer

über ihm gebeugt die Ruth voll Trauer.

 

Derweil die Freundin sanft erwacht.

„Nur hyperventiliert hab ich“, sie lacht.

 

Doch dann sieht sie die Szenerie:

Das Messer, die gebeugte Ruth, und sie

 

ergreift all ihre Disziplin,

die olympisch bisher zu schlummern schien.

 

Ein Teller kann ein Diskus sein

am Kopf zu Scherben winzig klein.

 

Die Ruth wird fortan nicht mehr keifen.

Ihr Kopf gleicht einem platten Reifen.

 

Die Wespe sticht, die Freundin schrie.

Es rafft sie hin, die Allergie.

 

Und die Moral von der Geschicht:

Es ist der Mensch, der dich ersticht.

Gefährlich ist die Wespe nicht.

 

Simon Heiner

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